bergedorf 8. Wirtschaftsforum der Bergedorfer Zeitung
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  Das Thema des 8. Wirtschaftsforum der Bergedorfer Zeitung lautete:
"Literaturbetrieb im 21. Jahrhundert ... Lesespaß
zwischen E-Book, Hörbuch und gedrucktem Wort."
Das gedruckte Buch existiert nun seit ca 600 Jahren und steht für geballtes Wissen - aber auch dafür, mal eine Pause zu nehmen und dem Alltag zu entfliehen.

Aus aktuellem Anlass, der Vorstellung des "Sony Reader" des neuen elektronischen Buches zur Buchmesse 2009 in Leipzig, lautete eine der Kernfragen an die Podiumsgäste:
"Kann das klassische, gedruckte Buch gegen das neu erscheinende E-Book bestehen ?
Oder wird durch diese Neuerung das klassische Buch nicht nur seinen Körper, sondern auch seine Seele verlieren ?"

Auf dem Podium saßen (von links):
Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg,
Nina Kuhn, Leiterin des Hamburger Literaturkontors,
Ulf-Peter Busse, Bergedorfer Zeitung (Moderation),
Petra Oelker, Hamburger Bestseller Autorin sowie
Peter Kraus vom Cleff, Rowohlt-Verlag.
 
Audio
Hier können Sie ein MP3 herunterladen,
das den kompletten Gesprächsverlauf
wiedergibt. (ZIP-Datei ca 1GB)


Gleich zu Beginn zog Herr Busse eine Parallele zur Musikbranche, die sich zunächst gegen die Neuerung "IPod" gewehrt hatte. Ein Kampf, aus dem die Firma Apple als großer Sieger und die restliche Musikbranche als großer Verlierer hervorging.

Ist die Buchbranche gewappnet ?

"Bange machen gilt nicht" ist dazu die Einstellung von Peter Kraus vom Cleff. Der Rowohlt Verlag ist auf das E-Book eingestellt und will und wird an diesem neuen Markt partizipieren. Er sieht die neue Technik auch als Chance. Auch als die ersten Hörbücher auf den Markt kamen, hätten viele schon das Ende des klassischen Buches prognostiziert. Aber das Gegenteil sei eingetreten: Es seien wieder mehr Menschen zum klassischen Buch gekommen. Auch im Interesse seiner Autoren dürfe sich der Verlag dem neuen Markt nicht verschließen.

Die Autorin Petra Oelker sieht das Ganze schon etwas skeptischer, vor Allem in Hinblick auf den Schutz der Urheberrechte. Sie befürchtet, dass trotz Kopierschutztechniken immer wieder illegale Kopien im Internet bereitgestellt werden könnten, wie das bei Musik und Filmen ja bereits der Fall ist. Das könnte dazu führen, dass sich viele Autoren aus finanziellen Gründen gezwungen sehen könnten, das Schreiben aufzugeben. Dazu könnte kommen, dass die Arbeit, die in jedem Buch steckt, nicht mehr von den Lesern wahrgenommen wird.
 
Peter Kraus vom Cleff, Geschäftsführer des Rowohlt-Verlags




Petra Oelker, Hamburger Autorin

Neben dem E-Book war das generelle Leseverhalten ein wichtiges Thema.
Statistisch gesehen liest der "durchschnittliche deutsche Leser" immerhin 15 Bücher pro Jahr. Dieser Wert liegt natürlich immer noch weit unter dem der "Infizierten", also der Menschen, die ein Buch nach dem anderen verschlingen.

Nina Kuhn, Leiterin des Hamburger Literaturkontors
  Aber wie interessiert man Menschen am Lesen ?
Das Hamburger Literaturkontor hat sich die Lieteratur- und Leseförderung zum Ziel gemacht.
Laut Nina Kuhn ist es ganz entscheidend, ob im Elternhaus gelesen wird. Also dass einerseits den Kindern vorgelesen wird und andererseits auch die Eltern selbst lesen. Bedauerlicherweise gibt es immer mehr Familien, die wirklich KEIN Buch besitzen und bei denen meist der Fernseher von morgens bis abends läuft. Um Kinder schon im frühesten Alter für Bücher zu begeistern, hat die Stadt Hamburg in Zusammenarbeit mit dem Literaturkontor das Projekt "Buchstart - ein Geschenk fürs Leben" organisiert: Seit Februar 2007 erhält jedes einjährige Kind vom Kinderarzt eine Bücher-Tasche ... und damit auch ein Stück Zukunft. Die Taschen sind gefüllt mit Bilderbüchern und Tipps für die Eltern.

Auch durch den reellen Kontakt mit einem Autor können Kinder und Jugendliche stärker für Bücher interessiert werden. Zu solchen Veranstaltungen bekommt man Kinder jedoch meistens nur dann, wenn sie sich bereits zumindest ein wenig für Literatur interessieren.
Das Literaturkontor bietet auch "Live-Veranstaltungen": Für Kleinkinder (bis 3 Jahre) "Gedichte für Wichte" und für Kinder bis 10 Jahre einen Kinder-Leseclub. Darüber hinaus gibt es auch Lesereihen speziell für Kinder und Jugendliche.

Mehr noch als bei Jugendlichen sind Leseveranstaltungen bei Erwachsenen gefragt.
Lesungen werden mehr und mehr zum Event und sind momentan absolut "In". Ein Trend, dem das Literaturhaus schon gerecht wurde, lange bevor es ihn gab: Seit 20 Jahren sind immer wieder Nachwuchsautoren, aber auch Nobelpreisträger in der weißen Villa am Schwanenwik auf der Uhlenhorst zu Gast. Eine gastfreundliche Atmosphäre kombiniert mit einem anspruchsvollen literarischen Programm hat das Literaturhaus beim Publikum, Künstlern und Theaterleuten, aber auch bei Autoren und Autorinnen der ganzen Welt sehr beliebt gemacht.

 
Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg

Dr. Rainer Moritz sieht den momentanen Trend zu Lesungen als große Chance für die Literatur. Genau wie bei Kindern (siehe oben) wird durch den persönlichen Kontakt zu den Autoren das Interesse an Büchern sehr stark gefördert. Kombiniert man dann die Lesung noch mit weiteren Anreizen, z.B. Musik, zu bunten Literaturabenden, kann man auch diejenigen für Literatur interessieren, die sonst nichts mit Büchern anfangen können.

Der Einführung des elektronischen Buchs sieht er ganz gelassen entgegen. Abgesehen davon, dass die Autoren im Literaturhaus natürlich auch in Zukunft aus richtigen Büchern vorlesen werden, erwartet er eher ein "friedliches Nebeneinander". "Es wird nach wie vor viele Menschen geben, die lieber ein echtes, körperliches Buch in den Händen halten, gerade wenn es um das entspannte und entspannende Lesen in der Freizeit geht. Das E-Book wird eher für das Lesen unterwegs in Frage kommen."



Wer noch nie eine Lesung besucht hat, kann das in diesem Sommer auch in Bergedorf nachholen: An 8 Abenden, jeweils Mittwochs ab 21 Uhr, wird es im BeLaMi in der Holtenklinker Straße Biergarten-Lesungen mit bekannten Hamburger Autoren geben. Auch wenn die Atmosphäre sicher nicht an das Literaturhaus heranreichen kann, sind schöne und spannende Abende zu erwarten. Das Programm findet man unter www.BeLaMi-Hamburg.de.
Selbstverständlich wird Bergedorf-TV über die Lesereihe berichten.


 

Reportage
8. Wirtschaftsforum der BZ
(in der Hamburger Sternwarte):

Kamera: Mike Hoffmann
Schnitt/Ton: Mike Hoffmann
Fotos: Mike Weil
Text: Mike Weil, Mike Hoffmann


       
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